Behandlung von ME/CFS: Was hilft, was nicht
Wer nach einer Behandlung von ME/CFS sucht, stößt auf eine schwierige Ausgangslage: Bislang gibt es keine ursächliche Therapie. Umso wichtiger ist es, seriöse Ansätze von unbelegten Heilsversprechen zu unterscheiden. Dieser Artikel gibt einen nüchternen Überblick.
Keine kausale Heilung
Es gibt bislang keine kausale Heilung für ME/CFS und kein zugelassenes Medikament, das direkt gegen die Erkrankung wirkt. Die Behandlung ist daher symptomorientiert: Sie zielt darauf, einzelne Beschwerden zu lindern und den Alltag erträglicher zu machen, nicht darauf, die Krankheit selbst zu beseitigen.
Symptomorientiert statt ursächlich
Weil die Ursachen von ME/CFS nicht abschließend geklärt sind und kein Medikament gegen die Erkrankung selbst zugelassen ist, richtet sich die Behandlung nach den vorherrschenden Symptomen im Einzelfall.Symptomorientierte Behandlung
Behandelt werden gezielt einzelne Beschwerden. Dazu können gehören:
- Schlafprobleme: Unterstützung bei nicht erholsamem Schlaf und Schlafstörungen
- Schmerzen: Behandlung von Muskel-, Gelenk- oder Kopfschmerzen
- Orthostatische Beschwerden: Maßnahmen gegen Beschwerden im aufrechten Stehen
Medikamente kommen dabei nur symptomspezifisch zum Einsatz, etwa Schlaf- oder Schmerzmittel. Kein Präparat ist als Heilmittel gegen ME/CFS belegt.
Pacing als zentrale Strategie
Die zentrale Selbstmanagement-Strategie ist das Pacing, also das Anpassen von Aktivitäten, um innerhalb der eigenen Belastungsgrenze zu bleiben und eine Post-Exertionelle Malaise zu vermeiden. Weil dieses Thema so wichtig ist, wird es in einem eigenen Artikel ausführlich behandelt: Pacing: Energiemanagement.
Was die Verhaltenstherapie leisten kann und was nicht
Eine kognitive Verhaltenstherapie (CBT) ist keine Heilung und keine ursächliche Behandlung von ME/CFS. Sie kann jedoch unterstützend angeboten werden, etwa im Umgang mit der Erkrankung und mit Begleitsymptomen. Das IQWiG sieht Hinweise auf einen begrenzten Nutzen, betont aber, dass CBT nicht kurativ ist.
Von fixer Aktivitätssteigerung wird abgeraten
Von einer Graded Exercise Therapy (GET) mit fixen, schrittweisen Aktivitätssteigerungen rät die NICE-Leitlinie NG206 ab. Laut IQWiG kann eine solche Aktivierung für manche Betroffene schädlich sein, weil Belastung über die eigene Grenze hinaus PEM auslösen kann.Vorsicht vor unbelegten Heilsversprechen
Gerade weil es keine ursächliche Therapie gibt, kursieren zahlreiche Angebote, die Heilung oder eine deutliche Besserung versprechen. Für kein Präparat und kein Supplement ist eine Wirkung als ME/CFS-Heilmittel belegt. Vor unbelegten Heilsversprechen ist ausdrücklich zu warnen. Weitere verbreitete Fehlannahmen greift der Artikel Mythen über ME/CFS auf.
Experimentelle Forschung an der Charité
An der Charité in Berlin laufen klinische Studien, unter anderem zu Ansätzen wie der Immunadsorption und zu Medikamenten. Diese Ansätze sind ausdrücklich experimentell und Teil der Forschung. Sie gehören nicht zur Regelversorgung und stehen nicht als allgemein verfügbare Behandlung zur Verfügung.
Quellen
- IQWiG / gesundheitsinformation.de: Behandlung von ME/CFS
- NICE Guideline NG206 (2021): Myalgic encephalomyelitis / chronic fatigue syndrome: diagnosis and management
- BMFTR Gesundheitsforschung: gesundheitsforschung-bmftr.de
- Charité Fatigue Centrum: cfc.charite.de