Was ist ME/CFS?
ME/CFS steht für Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom. Im Deutschen wird oft der Begriff „chronisches Erschöpfungssyndrom" verwendet. Er ist gebräuchlich, aber irreführend, weil er den Schweregrad der Erkrankung verharmlost. ME/CFS ist eine schwere, chronische neuroimmunologische Multisystemerkrankung, die häufig zu einem hohen Grad körperlicher Behinderung führt.
Eine anerkannte neurologische Erkrankung
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert das Krankheitsbild bereits seit 1969 als organisch-neurologische Erkrankung. In der internationalen Klassifikation ICD-10 ist ME/CFS unter dem Code G93.3 geführt. In der deutschen Fassung (ICD-10-GM) wurde die Übersetzung ab 2023 auf „Chronisches Fatigue-Syndrom" geändert, mit den Untercodes G93.30 (postinfektiös) und G93.31 (nicht-infektiös). In der neueren ICD-11 findet sich das Krankheitsbild als „Postvirales Fatigue-Syndrom" (Code 8E49), ebenfalls im Kapitel für Krankheiten des Nervensystems.
Kernaussage
ME/CFS ist keine psychische Erkrankung und keine reine Erschöpfung, sondern eine eigenständige, neurologisch klassifizierte Multisystemerkrankung.Das Leitsymptom: Post-Exertionelle Malaise
Das zentrale Kennzeichen von ME/CFS ist die Post-Exertionelle Malaise (PEM): eine durch Aktivität ausgelöste, oft zeitverzögerte und unverhältnismäßige Verschlechterung der Symptome. Sie tritt typischerweise Stunden bis ein bis zwei Tage nach einer körperlichen, geistigen oder emotionalen Belastung auf und kann Stunden, Tage oder Wochen anhalten. Genau dieses Merkmal unterscheidet ME/CFS von gewöhnlicher Müdigkeit, von Burnout und von einer Depression.
Weitere zentrale Symptome
- schwere Fatigue (Erschöpfung), die sich durch Ruhe kaum bessert
- nicht erholsamer Schlaf und Schlafstörungen
- kognitive Störungen, der sogenannte „brain fog" mit Konzentrations- und Gedächtnisproblemen
- orthostatische Intoleranz: Kreislaufbeschwerden im Stehen wie Schwindel und Herzrasen
- Schmerzen in Muskeln, Gelenken und Kopf sowie Reizüberempfindlichkeit
Einen ausführlichen Überblick bietet der Artikel Symptome von ME/CFS.
Wie viele Menschen sind betroffen?
Für Deutschland ging man vor der COVID-Pandemie von rund 250.000 Betroffenen aus, darunter etwa 40.000 Kinder und Jugendliche (Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS). Seit der Pandemie wird von einem deutlichen Anstieg ausgegangen. Frauen sind etwa dreimal häufiger betroffen als Männer. Der Erkrankungsbeginn zeigt zwei Häufungen: im Alter von 10 bis 19 Jahren und von 30 bis 39 Jahren.
Wodurch entsteht ME/CFS?
Die Erkrankung beginnt häufig nach einer Infektion. Bekannte Auslöser sind unter anderem das Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber), Influenza und SARS-CoV-2. Die genaue Ursache ist allerdings nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden unter anderem Störungen des Immunsystems, des autonomen Nervensystems, der Durchblutung und des zellulären Energiestoffwechsels. Mehr dazu im Artikel Ursachen und Auslöser sowie zum Zusammenhang mit Long/Post-COVID.
Gibt es eine Behandlung?
Es gibt bislang keine kausale Heilung und kein zugelassenes Medikament, das direkt gegen ME/CFS wirkt. Behandelt werden können einzelne Symptome. Als zentrale Strategie im Umgang mit der Erkrankung gilt das Pacing, also das Einteilen der Kräfte innerhalb der eigenen Belastungsgrenze, um eine PEM zu vermeiden. Was hilft und was nicht, erklärt der Artikel Behandlung von ME/CFS.
Vorsicht bei Aktivierung
Programme mit fixer, schrittweiser Steigerung von Sport und Aktivität (Graded Exercise Therapy) werden von der britischen NICE-Leitlinie (2021) nicht empfohlen und können laut IQWiG schaden. Belastung über die eigene Grenze hinaus kann die Symptome verschlechtern.Du brauchst Unterstützung?
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