Ursachen & Auslöser

ME/CFS und Long/Post-COVID: der Zusammenhang

Zuletzt redaktionell geprüft: Juli 2026

Seit der COVID-19-Pandemie wird ME/CFS häufiger diskutiert als je zuvor. Der Grund: Ein Teil der Menschen, die nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 langanhaltende Beschwerden entwickeln, zeigt ein Krankheitsbild, das den Kriterien von ME/CFS entspricht. Dieser Beitrag ordnet den Zusammenhang ein.

SARS-CoV-2 als möglicher Auslöser

ME/CFS beginnt häufig nach einer Infektion. Neben Auslösern wie dem Epstein-Barr-Virus oder Influenza zählt inzwischen auch SARS-CoV-2, das Coronavirus hinter COVID-19, zu den bekannten möglichen Auslösern. Eine ausführlichere Übersicht bietet der Beitrag zu den Ursachen und Auslösern.

Nicht jede COVID-19-Erkrankung führt zu langanhaltenden Beschwerden, und nicht jede Long-COVID-Verlaufsform ist ME/CFS. Wichtig ist jedoch: Bei einem Teil der Betroffenen überschneiden sich die Krankheitsbilder deutlich.

Die Überschneidung mit Long/Post-COVID

Long-COVID und Post-COVID bezeichnen Beschwerden, die nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 fortbestehen. Eines der häufigsten Symptome ist eine ausgeprägte Fatigue, also eine schwere, durch Ruhe kaum gebesserte Erschöpfung.

Genau hier liegt die Verbindung zu ME/CFS. In Untersuchungen der Charité erfüllte etwa die Hälfte der untersuchten Long-COVID-Patient:innen mit Fatigue die Kanadischen Konsenskriterien für ME/CFS. Das bedeutet: Bei diesem Teil der Betroffenen handelt es sich nicht nur um eine allgemeine Erschöpfung, sondern um das vollständige Krankheitsbild ME/CFS, einschließlich des Leitsymptoms Post-Exertionelle Malaise.

Gesichert

In Charité-Untersuchungen erfüllte etwa die Hälfte der untersuchten Long-COVID-Patient:innen mit Fatigue die Kanadischen Konsenskriterien für ME/CFS.

Die Pandemie hat ME/CFS sichtbarer gemacht

Die Pandemie hat zweierlei bewirkt. Zum einen ist die Zahl der Betroffenen gestiegen, weil eine weit verbreitete Infektion neue Erkrankungen auslösen kann. Zum anderen ist ME/CFS in der Öffentlichkeit und in der Medizin sichtbarer geworden.

Vor der Pandemie ging man in Deutschland von etwa 250.000 Betroffenen aus. Für den Zeitraum danach wird die Zahl deutlich höher geschätzt.

Schätzung, kein gesicherter Wert

Für den Stand 2024 wird von etwa 650.000 Betroffenen in Deutschland ausgegangen. Dahinter steht die Annahme einer Verdopplung durch die Pandemie. Es handelt sich um eine Schätzung, nicht um eine gesicherte Zahl.

Laufende Forschung

Der Zusammenhang zwischen SARS-CoV-2 und ME/CFS hat der Forschung neuen Auftrieb gegeben. An der Charité laufen klinische Studien, unter anderem im Rahmen einer nationalen Studiengruppe und mit Förderung durch das Bundesministerium. Untersucht werden verschiedene Behandlungsansätze.

Experimentell

Diese Studien sind Forschung, keine Regelversorgung. Die untersuchten Ansätze sind experimentell und stehen nicht als etablierte Behandlung zur Verfügung.

Was das für Betroffene bedeutet

Wer nach einer COVID-19-Erkrankung dauerhaft erschöpft ist und eine Verschlechterung nach Belastung bemerkt, sollte an die Möglichkeit von ME/CFS denken und das ärztlich abklären lassen. Der Weg zur Diagnose und die Grundlagen unter Was ist ME/CFS bieten dazu weitere Orientierung. Konkrete Anlaufstellen finden sich auf der Seite Hilfe.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn du nach einer Infektion an langanhaltenden Beschwerden leidest, sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt.

Quellen